Sicher ein sehr wichtiger Ausrüstungsgegenstand, für den man auch wieder viel Geld ausgegeben kann. Auch hier ein paar Anregungen für die eigene Entscheidung. Und vielleicht die vier wichtigsten Tipps:

  1. Überlegt Euch ehrlich, wofür Ihr den Schlafsack benutzt – die wenigsten zelten am Nordpol! Extreme Eigenschaften – „geeignet bis -30°C“ – mögen sich zum Angeben eignen, eigentlich macht man sich damit lächerlich und zahlt noch viel Geld dafür.
  2. Geht in ein Fachgeschäft, sagt konkret, für welche Einsatzbereiche der Schlafsack gedacht ist und lasst Euch dort beraten. Gute Fachgeschäfte haben ein Interesse, dass Ihr den nächsten Schlafsack wieder dort kauft und sollten Euch keinen überdimensionierten Schlafsack andrehen.
  3. Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.
  4. Finger weg von Supermarktangeboten oder Internetkauf – auch wegen Regel 3!
Was bedeutet die Komforttemperatur?

Da die meisten wohl nicht in arktischem Klima zelten, sollte man sich ehrliche Gedanken über den Einsatzbereich machen.

Als Vergleichsmaßstab sollte beim Kauf die sogenannte Komforttemperatur tcomf dienen. Da Frauen eher frieren als Männer, ist die Komforttemperatur diejenige Temperatur, bei der eine Frau (25 Jahre, 60 kg bei 1,60 m Körpergröße) gerade noch „komfortabel“ im Schlafsack liegt, ohne zu frieren.

Also: Wann soll der Schlafsack genutzt werden? Zelten auch in Herbst und Winter oder ausschließlich im Sommer?

Daune oder Kunstfaser?

Daune ist ein natürliches Material, bietet ein angenehmes Klima und isoliert sehr gut bei sehr geringem Gewicht, allerdings nur im trockenen Zustand. Ist der Schlafsack einmal nass, verklumpen die Daunen und es wird schnell ungemütlich. Zudem dauert es recht lange, bis die Daunen wieder getrocknet sind.

Wodurch kann ein Schlafsack nass werden? Klar, direkt durch Regen oder eine Zeltüberflutung. Bei sehr jungen Fahrteilnehmern kann schon mal ein Malheur passieren. Auch im Sommer kann es beim Übernachten ohne Zelt oder Tarp feucht werden, wenn sich morgens Tau bildet. Daunen nehmen aber auch die Körperfeuchtigkeit auf und fühlen sich daher schnell klamm an. Ist die Luftfeuchtigkeit lange sehr hoch – Dauerregen über Tage oder gar Aufenthalt in den Tropen – kann das ebenfalls dazu führen, dass die an sich guten wärmeisolierenden Eigenschaften der Daune mehr und mehr verloren gehen. Im warmen und trockenen Sommer dagegen kein Problem: Schlafsack in der Sonne auslüften lassen, fertig.

Mit Kunstfaser ist man allgemein eher auf der sicheren Seite, erkauft diese Sicherheit aber mit einem etwas größeren Gewicht und einer etwas schlechteren Wärmeisolierung.

Kunstfaserschlafsäcke halten nicht so lange wie Daunenschlafsäcke. Die Haltbarkeit hängt natürlich von der Pflege und der Einsatzhäuigkeit ab – ist man in jedem Jahr mehrfach und länger unterwegs, wird der Kunstfaserschlafsack vielleicht schon nach 10 Jahren ausgemustert werden, der Daunenschlafsack hält etwa doppelt so lange. Daunenschlafsäcke kann man übrigens aufarbeiten lassen, was sich bei ansonsten intakten Nähten etc. durchaus lohnen kann. Und das ist natürlich auch nachhaltiger.

Ist Daune gleich Daune? Kunstfaser gleich Kunstfaser?

Sowohl bei Daunen- als auch bei Kunstfaserschlafsäcken gibt es viel zu beachten. Je kleiner und leichter, desto teuer wir der Spaß. Und natürlich kann man verschiedenen Qualitäten unterscheiden:

Eine sehr schöne Zusammenstellung findet Ihr bei Chrissis Ausrüstungstipps – z.B. ist ein gutes Abwägen zwischen ausreichender „Fluffigkeit“ bei Daunen und trotzdem guter Langlebigkeit nötig – hier empfeilt Chrissi eine Bauschkraft zwischen 600 und 750 Kubikinches.

Noch einmal: Gute Fachberatung ist nur bei unbegrenztem Girokonto und großer Leidensfähigkeit infolge ungeeigneten Materials überflüssig.

Welche Schlafsackform soll ich wählen?

Aus unserer Sicht ist die Mumienform die einzig geeignete: Recht eng anliegend, entwickelt sich kein großer „Freiraum“, den man erstmal mit der eigenen Körpertemperatur anwärmen muss. Hier muss man probieren und ehrlich zu sich sein: „Wurst-in-Pelle“ ist sicher auch nicht gemütlich zum Schlafen.

Genauso wichtig ist aber die richtige Größe: Wenn ich einen Wölfling in einen Erwachsenen-Schlafsack stecke, wird es ihn nie gelingen, den riesigen Luftraum mit der eigenen Körpertemperatur zu erwärmen. Ist mein Wö aber schon nach einem halben Jahr aus dem Schlafsack rausgewachsen …

Eine aus unserer Sicht ganz gute Option sind Fleece-Inlets, die man quasi als Innenhülle benutzen kann. So ist man deutlich flexibler hinsichtlich Temperaturbereich und Schlafsackgröße, hat aber auch ein höheres Gesamtgewicht.

Wie pflege ich einen Schlafsack?

Im Lager

Täglich ausschütteln und – bei warmem, trockenem Wetter – in der Sonne kurz auslüften lassen.

Unterwegs

Schlafsäcke nie aufrollen, um sie in den Schlafsackbeutel zu bekommen, sondern mit dem Fußende zuerst anfangen, sie hineinzustopfen. Erstens ist das einfacher, und zweitens hat man nicht immer in den gleichen Bereichen die Knickstellen. Das gilt sowohl für Daune als auch für Kunstfaser: Die Kunstfasern sind im Vlies fest angeordnet, d.h. sie können nicht ausweichen (was Daunen etwas besser können). Wenn Ihr Euren Schlafsack faltet und rollt, knickt Ihr die Fasern immer an der gleichen Stelle. Sie brechen / reißen, und die Wärmeisolation wird geringer.

Ist der Schlafsack sehr glatt auf der Außenseite (z.B. wasserdichte Schlafsäcke), dann einfach auf Links ziehen und dann in den Kompressionsbeutel hineinstopfen.

Lagerung

Trocken und sauber, klar. Auf jeden Fall ausgebreitet.

Waschen

Kunstfaserschlafsäcke möglichst wenig – d.h. nur bei akuter Verschutzung – waschen: Die Fasern sind mit Silikon behandelt, dieses Silikon ist für die Bauschkraft und somit für die Wärmeisolierung wichtig. Bei jeder Wäsche geht etwas davon verloren, d.h. der Schlafsack ist zwar sauber, hat aber auch eine etwas geringere Wärmeisolierung. Falls Ihr euren Schlafsack dennoch waschen müsst: Erst einmal gründlich die Pflegehinweise lesen.

  • Entweder in der Badewanne von Hand mit einem speziellen Hohlfaserwaschmittel (gibt es im Outdoor-Fachgeschäft)
  • oder in einer großen (ca. 10 kg!) Waschmaschine, also im Waschsalon. Ebenfalls Hohlfaserwaschmittel verwenden, Wollprogramm ohne Schleudern. Aufpassen, dass Ihr den nassen, vollgesogenen Schlafsack nicht kaputtreißt, wenn Ihr ihn aus der Maschine holt. Auch die eigentlich festen Kunstfaservliese können sich verschieben oder zerreißen, d.h. den nassen Schlafsack nicht an einem Ende hochheben, sondern am besten in einer Schüssel transportieren.

In beiden Fällen gut nachspülen. Das Ganze ist also eine schweißtreibende Angelegenheit und eine ordentliche Matscherei.

Daunenschlafsäcke auch möglichst wenig waschen, wobei dies hier etwas besser geht. Wie bei Kunstfaserschlafsäcken nur, wenn es wirklich sein muss – und am besten in einen guten Outdoorladen bringen, die können das einfacher und besser als Ihr und ggf. sogar Daunen nachfüllen.

Vorbeugen: Verwendet Inlets, z.B. aus Fleece. das bietet nicht nur höheren Komfort, sondern hält den Schlafsack trocken.

Was soll ich mir denn jetzt kaufen?

Ein paar Entscheidungskriterien zusammengefasst:

  • Seid ehrlich zu Euch, wofür Ihr den Schlafsack nutzt.
  • Je jünger der Fahrtteilnehmer, desto eher Kunstfaser.
  • Ein sehr teurer Schlafsack, aus dem das Kind nach einem Jahr rausgewachsen ist, macht wirtschaftlich nur bei vielen nachfolgenden Geschwistern Sinn.
  • Daune ist leichter und wärmer, aber empfindlicher bei Feuchtigkeit. Stellt sicher, dass der Schlafsack zumindest unterwegs nicht nass wird. Gibt es Gelegenheit, ihn in der Sonne auszulüften, nutzt diese.
  • Mumienform.
  • Größe dem Körper angepasst – bei Kindern im Wachstum ggf. über ein Fleece-Inlet nachdenken.
  • Lasst Euch im Fachgeschäft beraten, probiert und kauft nicht vermeintliche „Schnäppchen“ im Supermarkt oder Internet.

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